Buchcover „Als Opa Hitler die Hand schüttelte“

Aktuell · 2026

Als Opa Hitler die Hand schüttelte

Eine historische Spurensuche

Dagmar Knigge, mit Lutz Kinkel · Herder / wbg Theiss

Fünf Jahre Recherche, rund 40.000 geprüfte Dokumente, Archive in Freiburg, Washington, Moskau und Riga: Dagmar Knigge rekonstruiert die Geschichte ihres Großvaters – und das Schweigen der Familie. Großvater Knigge war Spitzensportler und machte bei der SS Karriere, während sein Bruder vor den Nazis nach Dänemark flüchtete. Die Spurensuche belegt, dass ihre Biografien kein Schicksal waren, sondern das Ergebnis von Entscheidungen. Lutz Kinkel hat das Buch als Co-Autor begleitet.

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Fünf Stories aus dem Buch

  • Social-Media-Karte: „Sie war eine moderne Frau – zuletzt ein Schatten ihrer selbst“
  • Social-Media-Karte: die beiden Brüder Hans-Joachim und Ulrich Knigge
  • Social-Media-Karte zum Buch: Sport im Nationalsozialismus
  • Social-Media-Karte: Entnazifizierung und Spruchkammer
  • Social-Media-Karte: Recherche in 40.000 Dokumenten

Im Gespräch mit Dagmar Knigge

„Es gab kein Schicksal, sondern Entscheidungen“

Über fünf Jahre Recherche, 40.000 Dokumente und das Schweigen einer Familie.

Frau Knigge, sind Sie vielleicht mit …

Nein, bin ich nicht. Aber es war ein Anreiz, mich mit der Familiengeschichte zu befassen: Ich bin so oft gefragt worden, ob ich mit dem berühmten Freiherrn von Knigge verwandt bin, dass ich die Stammbäume überprüft habe. Dort war kein Freiherr zu finden. Aber SS-Stempel neben den Namen meiner Vorfahren.

Was hat Sie motiviert, die Biografie Ihres Großvaters zu recherchieren?

Ich habe diese sepiafarbenen Kindheitserinnerungen an ihn: Old Joe, wie ihn alle nannten, im Sessel, Buch in der Rechten, Zigarette in der Linken, vor sich eine Tasse Tee mit Rum. Er mochte mich und ich ihn. Mir war nicht klar, warum die Familie später so tat, als hätte es ihn gar nicht gegeben. Dieses Schweigen zu überwinden, war ein wichtiger Antrieb.

Wie lange haben Sie an dem Buch gearbeitet?

Fünf Jahre, natürlich nur in meiner Freizeit. Um vorwärtszukommen, habe ich mit Rechercheuren gearbeitet, die Archive in Freiburg, Washington, Moskau und Riga ausgewertet haben. Die Akten landeten auf meinem Tisch. Ich schätze, ich habe weit über 40.000 Dokumente geprüft.

Wie sind solche Informationsmassen zu bewältigen?

Leider ist es noch immer schwierig, historische Akten mit künstlicher Intelligenz zu durchsuchen. Viele Dokumente sind digitalisiert, aber nicht unbedingt maschinenlesbar, weil sie handschriftlich verfasst oder schwer zu entziffern sind. Zum Glück bin ich als Rechtsanwältin die Langstrecke gewohnt: Bei komplizierten Fällen kommen auch schnell mehrere Regalmeter Akten zusammen.

Was hat Sie bei der Recherche am meisten überrascht?

Erstens, dass aus manchen Nachforschungen schlicht gar nichts herauskommt, egal wie sehr man sich anstrengt. Zweitens, dass Großvater einen Bruder in Dänemark hatte. Der war mir völlig unbekannt.

Ulrich Knigge war PR-Chef der dänischen Werft Burmeister & Wain.

Ja, er hat eine fabelhafte Karriere gemacht – und nebenbei Bücher übersetzt und über Literatur geschrieben. Ulrich war ein öffentlich geschätzter Intellektueller und Bonvivant. Dänemark hat ihn nach 1945 rasch eingebürgert, obwohl er Deutscher war, was eine erstaunliche Ausnahme gewesen sein muss. Sein Bruder Hans-Joachim, mein Großvater, tauchte nach dem Krieg drei Jahre ab – und stand dann wegen seiner SS-Karriere vor der Spruchkammer.

Was haben Sie aus dem Vergleich der beiden Brüder mitgenommen?

Dass es auch in meiner Familie kein Schicksal gab, sondern Entscheidungen. Ulrich entzog sich dem Nationalsozialismus, Hans-Joachim machte Karriere im Nationalsozialismus.

Was bedeutete das für das Verhältnis der beiden Brüder?

Klirrende Kälte.

Buchcover „Die Scheinwerferin“

Dissertation · 2002 · vergriffen

Die Scheinwerferin

Leni Riefenstahl und das „Dritte Reich“

Lutz Kinkel · Europa Verlag

Lutz Kinkels Biografie der NS-Regisseurin Leni Riefenstahl zerlegt ihre Legende von der unpolitischen, nach Schönheit und Harmonie suchenden Künstlerin – und weist nach, dass ihre Reichsparteitags- und Olympiafilme keine Dokumentationen waren, sondern Meisterwerke der Propaganda. Ein tief recherchiertes Sachbuch mit wissenschaftlichem Anspruch, das sich wie ein Roman liest. Das Buch ist vergriffen, Restexemplare sind antiquarisch erhältlich.

Anfrage zum Thema Riefenstahl

Pressestimmen

  • Saubere journalistische Arbeit.
    Wolfgang Herles, Die Welt
  • Kinkel holt »Die Scheinwerferin« auf den Boden der Tatsachen.
    News, Wien
  • Selten zuvor wurden Wahrheit und Legende der Leni Riefenstahl so vorsichtig und sachkundig voneinander getrennt … ein Sachbuch mit wissenschaftlichem Anspruch, das sich wie ein Roman lesen lässt.
    Michael Drewniok
  • Bestens recherchiert und nachgewiesen, bringt der Historiker Kinkel knapp und journalistisch treffend die Dinge zuverlässig auf den Punkt.
    Prof. Martin Loiperdinger, Filmblatt
  • Der mühsam konstruierte Mythos bricht unter der Last der historischen Fakten zusammen.
    Ralf Hanselle, Netzeitung
  • Ein grundsolide recherchiertes Buch, das unter die Debatte über die Riefenstahl einen würdigen Schlussstrich zieht.
    amazon.com
Weitere Pressestimmen
  • Eine spannende Lektüre.
    Andrea Mirbeth, BR-Online
  • Geschickt verbindet der Historiker und Journalist Lutz Kinkel Innen- und Außenansichten der Frau Riefenstahl, legt den »brutalen Ehrgeiz« schonungslos offen.
    Michael Klopf, Spiegel Spezial
  • Lutz Kinkel analysiert den »Mythos Riefenstahl« bis ins Detail.
    Verena Walter, Der Aufbau, New York
  • Besticht vor allem durch seinen flüssigen Stil, die elegante, formvollendete Art, in der hier die Karriere einer überragend begabten Künstlerin beschrieben wird.
    Ingo Tornow, ekz-informationsdienst
  • Kinkel widerlegt die Legenden anhand des vorhandenen Dokumentenmaterials sehr überzeugend. Eine empfehlenswerte, fundierte und gut lesbare Biographie.
    Simone Klein, Bibliotheksnachrichten
  • Seine Analyse der drei Reichsparteitagsfilme ist brillant.
    Thomas Kliemann, General-Anzeiger

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